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Eingewöhnung in der Kita: Berliner und Münchener Modell im Vergleich

Berliner oder Münchener Modell? Lerne beide Eingewöhnungsmodelle Schritt für Schritt kennen, vergleiche sie und bereite dich gezielt auf das Prüfungsthema vor.

14. Juni 2026

Die Eingewöhnung in die Kita gehört zu den wichtigsten Übergängen in der frühen Kindheit. Für viele Kinder ist es die erste längere Trennung von den vertrauten Bezugspersonen – ein Moment, der die emotionale Entwicklung tief prägen kann. Kein Wunder also, dass das Thema in der Erzieher-Prüfung ein echter Dauerbrenner ist, ob als Fallbeispiel in der schriftlichen Prüfung oder als Thema in der Facharbeit. Wenn du die beiden wichtigsten Eingewöhnungsmodelle verstehst, bist du gut vorbereitet. In diesem Ratgeber lernst du das Berliner und das Münchener Eingewöhnungsmodell kennen, siehst die Unterschiede auf einen Blick und bekommst Praxistipps, die in jeder Einrichtung gelten.

Warum die Eingewöhnung so entscheidend ist

Beide Eingewöhnungsmodelle beruhen auf der Bindungstheorie von John Bowlby. Der zentrale Gedanke: Kinder brauchen eine sichere Bindung zu mindestens einer Bezugsperson, um sich angstfrei in der Welt bewegen zu können. Diese vertraute Person dient als sichere Basis, von der aus das Kind seine Umgebung erkundet und zu der es bei Verunsicherung zurückkehren kann.

Genau das ist das Ziel jeder Eingewöhnung: eine tragfähige Beziehung zwischen Kind und Erzieherin aufzubauen, bevor die endgültige Trennung von den Eltern stattfindet. Erst wenn das Kind die Fachkraft als sichere Basis akzeptiert, ist die Eingewöhnung wirklich gelungen.

Definition – Sichere Basis: Eine sichere Basis ist eine vertraute Bindungsperson, von der aus ein Kind seine Umgebung erkundet und bei der es Schutz und Trost sucht, wenn es verunsichert ist. In der Eingewöhnung wird die Bezugserzieherin schrittweise zu einer solchen sicheren Basis.

Das Berliner Eingewöhnungsmodell

Das Berliner Modell wurde in den 1980er-Jahren am infans-Institut entwickelt (unter anderem von Hans-Joachim Laewen und Beate Andres). Es ist das in Deutschland am weitesten verbreitete Eingewöhnungsmodell und stellt die Bindung zwischen Kind und Bezugserzieherin in den Mittelpunkt.

Die vier Phasen im Überblick

  1. Grundphase (Tag 1 bis 3): Ein Elternteil begleitet das Kind in die Kita. Die Bezugserzieherin beobachtet und nimmt vorsichtig Kontakt auf. Es findet keine Trennung statt, der Elternteil bleibt als sichere Basis im Raum.
  2. Erster Trennungsversuch (etwa Tag 4): Der Elternteil verabschiedet sich kurz und verlässt den Raum, bleibt aber in der Nähe. Die Reaktion des Kindes ist der Schlüsselmoment: Lässt es sich von der Erzieherin trösten, deutet das auf eine kürzere Eingewöhnung von rund sechs Tagen hin. Weint es anhaltend und lässt sich nicht beruhigen, ist eine längere Eingewöhnung von zwei bis drei Wochen nötig.
  3. Stabilisierungsphase: Die Trennungszeiten werden schrittweise verlängert. Die Erzieherin übernimmt zunehmend Pflegeroutinen wie Füttern und Wickeln.
  4. Schlussphase: Der Elternteil ist nicht mehr in der Einrichtung, aber jederzeit telefonisch erreichbar. Die Eingewöhnung gilt als abgeschlossen, wenn das Kind die Erzieherin als sichere Basis akzeptiert.

Zentrale Merkmale

  • Elternbegleitet: Ein Elternteil ist während der gesamten Grundphase anwesend.
  • Bezugserzieherin: Eine feste Fachkraft ist für die Eingewöhnung zuständig.
  • Individuelles Tempo: Die Dauer richtet sich nach dem Verhalten des Kindes, nicht nach einem starren Zeitplan.
  • Bindungstyp-orientiert: Der erste Trennungsversuch entscheidet über das weitere Vorgehen.

Das Münchener Eingewöhnungsmodell

Das Münchener Modell wurde von Elisabeth Kuno und Anna Winner am Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP) in München entwickelt. Es ist umfassender angelegt als das Berliner Modell und bezieht die gesamte Kindergruppe aktiv mit ein.

Die fünf Phasen im Überblick

  1. Vorbereitungsphase: Noch vor dem ersten Kita-Tag findet ein ausführliches Aufnahmegespräch mit den Eltern statt. Die Erzieherin lernt die Familie kennen und erfährt Gewohnheiten, Vorlieben und Ängste des Kindes.
  2. Kennenlernphase (Woche 1 bis 2): Kind und Elternteil nehmen am Gruppengeschehen teil. Das Kind erlebt den Tagesablauf mit allen Ritualen, aber noch ohne Trennung. Die Erzieherin beobachtet das Kind in der Interaktion mit den anderen Kindern.
  3. Sicherheitsphase: Erste kurze Trennungen finden statt. Die Erzieherin übernimmt schrittweise Versorgungsaufgaben, und die Kindergruppe wird aktiv einbezogen, etwa über Paten-Kinder.
  4. Vertrauensphase: Die Trennungszeiten werden ausgedehnt. Das Kind nimmt an immer mehr Aktivitäten ohne Elternteil teil.
  5. Auswertungsphase: Ein Reflexionsgespräch mit den Eltern bilanziert den Verlauf. Die Eingewöhnung wird gemeinsam ausgewertet und dokumentiert.

Berliner und Münchener Modell im direkten Vergleich

Die folgende Tabelle stellt die wichtigsten Merkmale beider Modelle gegenüber – ideal zum Wiederholen für die Prüfung:

MerkmalBerliner ModellMünchener Modell
Entwickelt voninfans-Institut (Laewen, Andres)IFP München (Kuno, Winner)
Dauer6 Tage bis 3 Wochen2 bis 4 Wochen, tendenziell länger
Phasen4 Phasen5 Phasen
FokusBindung Kind und ErzieherinBindung plus Integration in die Gruppe
Kindergruppekaum einbezogenaktiv einbezogen (Paten-Kinder)
Schlüsselmomenterster Trennungsversuch (Tag 4)kein einzelner Schlüsselmoment
Aufnahmegesprächoptionalfester Bestandteil (Vorbereitungsphase)
Reflexionnicht formalisiertAuswertungsgespräch am Ende
TheoriebasisBowlby (Bindungstheorie)Bowlby plus Transitionsforschung

Vereinfacht gesagt: Das Berliner Modell ist klar strukturiert und stark auf den Trennungsmoment fokussiert, während das Münchener Modell den gesamten Prozess breiter denkt und Gruppe sowie Reflexion stärker einbindet. Beide Ansätze haben ihre Berechtigung, und welches Modell eine Einrichtung nutzt, hängt oft von ihrer Konzeption ab.

Prüfungsrelevanz: Was du wissen musst

Die Eingewöhnung wird in der schriftlichen Prüfung häufig als Fallbeispiel geprüft. Typische Aufgabenstellungen sind:

  • Beschreibe den Ablauf der Eingewöhnung nach dem Berliner Modell.
  • Vergleiche das Berliner und das Münchener Modell hinsichtlich der Rolle der Erzieherin.
  • Ein Kind weint beim ersten Trennungsversuch anhaltend – wie gehst du vor?
  • Begründe die Eingewöhnung fachlich mithilfe der Bindungstheorie.

Tipp: Verbinde in deiner Antwort immer Theorie und Praxis. Nenne also nicht nur Bowlby und das Konzept der sicheren Basis, sondern beschreibe auch konkret, wie die Erzieherin handelt. Diese Verknüpfung von Theorie und konkretem Handeln bringt in der Prüfung die meisten Punkte. Du kannst zusätzlich Erikson und sein Konzept von Urvertrauen gegen Misstrauen einbinden.

Praxistipps für die Eingewöhnung

Unabhängig vom Modell gelten in der Praxis einige Grundregeln, die du dir gut merken solltest:

  1. Niemals heimlich gehen: Eltern müssen sich immer verabschieden, auch wenn das Kind weint. Heimliches Verschwinden zerstört Vertrauen.
  2. Rituale schaffen: Ein festes Abschiedsritual gibt Sicherheit, etwa Winken am Fenster oder ein Kuscheltier als Übergangsobjekt.
  3. Geduld haben: Jedes Kind ist anders. Manche brauchen drei Tage, andere drei Wochen – beides ist in Ordnung.
  4. Emotionen aushalten: Weinen bei der Trennung ist normal. Entscheidend ist, ob das Kind sich trösten lässt.
  5. Mit Eltern kommunizieren: Tägliche kurze Rückmeldungen stärken die Erziehungspartnerschaft und geben den Eltern Sicherheit.

Fazit

Die Eingewöhnung ist weit mehr als das bloße Gewöhnen eines Kindes an die Kita. Sie ist ein pädagogisch fundierter Prozess, der auf der Bindungstheorie beruht und das emotionale Wohlbefinden des Kindes in den Mittelpunkt stellt. Ob Berliner oder Münchener Modell – beide Ansätze haben ihre Stärken. Für die Prüfung ist entscheidend, dass du beide Modelle kennst, sie vergleichen und fachlich mit der Bindungstheorie begründen kannst. Dann bist du für dieses zentrale Thema bestens gerüstet.

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Häufige Fragen

Was ist der Hauptunterschied zwischen Berliner und Münchener Modell?

Das Berliner Modell stellt die Bindung zwischen Kind und Bezugserzieherin in den Mittelpunkt, das Münchener Modell bezieht zusätzlich die gesamte Kindergruppe aktiv ein und arbeitet mit mehr Phasen.

Wie lange dauert die Eingewöhnung nach dem Berliner Modell?

Je nach Reaktion des Kindes dauert sie etwa sechs Tage bis zu drei Wochen. Der erste Trennungsversuch um den vierten Tag entscheidet über das weitere Tempo.

Worauf basieren beide Eingewöhnungsmodelle?

Beide Modelle beruhen auf der Bindungstheorie von John Bowlby. Der Grundgedanke ist, dass ein Kind eine sichere Bindung zu einer Bezugsperson braucht, um die neue Umgebung als sicher zu erleben.

Warum dürfen Eltern sich nicht heimlich verabschieden?

Heimliches Verschwinden zerstört das Vertrauen des Kindes. Eltern sollten sich immer bewusst verabschieden, auch wenn das Kind weint, damit es lernt, dass es sich auf Ankündigungen verlassen kann.

Wie wird die Eingewöhnung in der Prüfung abgefragt?

Häufig als Fallbeispiel, etwa mit der Aufgabe, den Ablauf eines Modells zu beschreiben, beide Modelle zu vergleichen oder die Eingewöhnung mit der Bindungstheorie zu begründen.

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